vielleicht mal zur Einordnung aus ärztlicher Perspektive nur auf diesen Artikel Bezug nehmend.
Therapien sollten immer individuell auf jede Person abgestimmt werden und natürlich ist auch das Alter ein relevanter Faktor in der Entscheidungsfindung, ob man bestimmte Medikamente/Therapien einsetzt oder nicht. Abwägen, ob in Anbetracht des körperlichen Allgemeinzustands und des hohen Alters, Therapien wie z.B. bei Krebserkrankungen durchgeführt werden oder nicht, ist ein normaler und richtiger Prozess, der immer stattfinden muss und in der gängigen Praxis auch stattfindet.
Es gibt immer wieder Fälle, wo Ärzte trotz extrem geringer Wahrscheinlichkeit auf Besserung der Lebensqualität die Maximaltherapie auch bei sehr hochbetagten Menschen durchführen, weil sie nicht den Mut haben, bewusst (weil medizinisch und ethisch begründbar) auf Therapien zu verzichten, oder möglicherweise die Patienten oder Angehörigen enormen Druck ausüben (Klassiker: „Da muss man doch noch etwas machen können“, „Unsere Mutter/Vater kann doch jetzt noch nicht sterben“). Man muss sich auch vor Augen führen, dass zahlreiche Therapien auch wesentliche Nebenwirkungen hervorrufen können, durch die noch mehr Leid als Nutzen entsteht.
Ich denke Streeck wollte auf eben jene Situationen anspielen, in denen wissentlich keine Aussicht auf Besserung besteht - die hohen Kosten wären das logischerweise einzusparen gewesen.