Deutsche Politik

Er konstruiert dieses Beispiel, um einen Punkt machen zu können.

Lena Brockhaus fasst seine Aussagen so zusammen: „Sollte man der Hundertjährigen noch das teure Krebsmedikament geben?“. Also ich kenne die gute Frau jetzt nicht. Aber alleine, weil sie bei der WELT einen Topjob hat, denke ich, dass unsere Positionen nicht ganz übereinstimmen. Trotzdem versteht sie ihn falsch.

Ist sicher meine Schuld dann. Und nur meine Position. Und die vom Spiegel, NTV, der dpa und… allen anderen, die darüber berichtet haben. Alle verstehen sie ihn absichtlich falsch. Sogar WEB.DE berichtet exakt so darüber ?!

Wenn du mich von meiner Position abbringen möchtest, dann zeig mir kein Video, in dem er exakt das sagt, wofür er kritisiert wird. So als… Protipp.

ist mit Lena Brockhaus Nena Brockhaus gemeint? Meine Lieblingshetzerin aus meiner Stadt? Frage nur, weil ich Lena Brockhaus nicht gefunden habe

Nena Brockhaus ist 'ne ganz schlimme. Die hat so wenig Ahnung, aber ganz viel Meinung.

Ja er hinterfragt, ob es in einzelnen Fällen sinnvoll ist - ich habe dir aufgezeigt, dass die Sinnhaftigkeit einer Therapie auch im Hinblick aufs Alter immer hinterfragt wird.

Ntv schreibt: " Aber nicht in jedem Fall ist das sinnvoll, meint CDU-Gesundheitsexperte Streeck. Vor allem bei Hochbetagten sollten besonders teure Medikamente überdacht werden"

Reflektieren und überdenken ist ein normaler Prozess, was ist so besonders kritikwürdig?

Dass das reflektieren und überdenken mit Blick auf den Preis passieren soll - nicht, ob es hilft oder nicht. Oder gesundheitlich zumutbar ist.

Wie bereits angeschnitten: Wenn es schon gängige Praxis wäre, gäbe es keinen Grund für ihn, das vorzuschlagen.

ich denke, das ist der Punkt, den du nicht richtig verstehst.
Deine Auffassung seiner Aussagen: Streeck will Alten keine teuren Therapien mehr erlauben.

Es geht nicht darum, dass er irgendwas nicht mehr erlauben will. Er suggeriert, dass alte Menschen schlecht für unser Gesundheitssystem seien und wir da sparen können. Er stellt in Frage, dass und ob teure Medikamente an alte Menschen vergeben werden sollten.

Das ist exakt das, wie Nena Brockhaus das zusammenfasst. Und gefühlt jede Nachrichtenseite. Du kannst aber den Fehler natürlich gerne weiter bei mir suchen.

Ups, ja. Nena. Anna Schneider (?) sitzt glaube ich auch drin.

Objektiv betrachtet ist das auch richtig?
Zunehmendes Alter stellt unser Gesundheitssystem vor enorme, kaum noch leistende Herausforderungen, Sparpotenzial gibt es in mehreren Bereichen. Im Hinblick auf den demographischen Wandel wird es in den nächsten Jahren wohl auch so kommen, dass man noch strenger prüfen muss, was zu leisten ist.

Streeck auch einfach deutschter Dr. Oz. Bin immer wieder erschrocken, dass der jetzt ne offizielle Position hat. Dachte eigentlich, wir als Allgemeinheit hätten uns während Corona darauf geeinigt, dass der Typ hauptsächlich alles für Fame sagt und eig. weniger Ahnung hat.

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Allein hier im Forum waren doch viele Fan von ihm. Kann mich noch gut erinnern, wie der Typ gefeiert wurde.

mh, hatte ich jetzt nicht so im Kopf. Hab auch wenig Gegenwind für mein KinG KarL gecheere bekommen, deswegen wundere ich mich gerade.

Kennst du Namen für den PrAnGeR?

Der wurde hier vielleicht von irgendwelchen Querdenkern oder Geosch gefeiert, aber sonst eher weniger.

Dachte eher, dass es wenn dann der Drosten war

Ist doch jetzt kein Geheimnis, dass vieles bei alten Menschen nicht nur aus Nächstenliebe sondern für den Profit gemacht wird?! Bitte einfach wieder verstaatlichen…

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Genau, weil die Ärzt:innen ja direkt von der Verschreibung einer teuren AM-Therapie profitieren. (???)

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Es gibt hier und dort schon ein finanzielles Interesse Betten zu belegen und OP-Säle auszulasten. Genau dieses Interesse wurde aber in den letzten 30 Jahren erst eingeführt, weil der Markt viel effizienter sei. Stellst sich raus die wollen vor allem Geld verdienen. Auch hier liegt die eigentliche Lösung auf der Hand: Profite gehören nicht in die Gesundheitsversorgung.

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Okay, hab mir nun auch das 10 Minuten Video angeschaut. Stimme Streeck nicht zu, finde aber auch, dass da ein bisschen viel draus gemacht wird. Mal das Ganze aus gesundheitswissenschaftlicher/gerontologischer Perspektive und warum ich finde, dass sowohl @cena als auch @overkill recht haben.

Wobei ich @overkill und vielen anderen hier Recht gebe:

Kosten in Verbindung mit Alter dürfen niemals der ausschlaggebende Faktor sein, ob eine Behandlung noch durchgeführt wird. Das ist Menschenunwürdig und verstößt, mal so ganz nebenbei, gegen das Grundgesetz.

b) Art. 3 Abs. 1 GG – Gleichheitssatz

Hier ist es am eindeutigsten.

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“
Ungleichbehandlung wegen Alters ist nur zulässig, wenn sie sachlich gerechtfertigt ist.

Ein reines ökonomisches Argument („lohnt sich nicht mehr“) wäre keine sachliche Rechtfertigung und ist damit nicht verfassungskonform. Eine medizinische Begründung („Risiko zu hoch“, „Nutzen zu gering“) dagegen kann sachlich sein.

Vorallem ist es häufig auch eine Milchmädchenrechnung. Es wird seit Jahren immer wieder so ein Mist gefordert, obwohl mehrfach nachgewiesen wurde, dass bei den meisten Krankheitsbildern die Folgekosten für den Staat/Krankenkassen durch eine Nicht-Behandlung höher sind, als wenn man behandelt.

Wo @cena meiner Ansicht nach von einigen hier falsch verstanden wird, ist der Prozess der Behandlungsabwägung. Das passiert täglich in jeder Klinik. Das liegt aber nicht nur am System, sondern auch an den Ärzten, die mit Erwartungen, Angehörigen-Druck und defensiver Medizin dazu beitragen. Natürlich sind Klinikärzte in ihrer Behandlung an vorherrschende DRG gebunden. Warum es dazu kommt, dass Menschen Behandlungen erhalten, die teuer sind und voraussichtlich nichts mehr bringen, hat cena ebenfalls bereits erklärt. Aus den genannten Gründen kommt es eben immer wieder vor, dass vergleichsweise teure Medikamente und Behandlungsmethoden durchgeführt werden, obwohl bereits klar ist, dass diese Behandlung den Patienten nicht retten kann. In den Fällen wäre eine palliative Versorgung meist angebrachter. Jetzt kommt das dicke, fette „ABER“: Finanzielle Kosten sollten in diesem Entscheidungsprozess in unserem System keine Rolle spielen. Daher ist das Argument füür mich auch nicht zulässig, da es eben nicht der dicke Kostenfaktor ist.

Zudem stimmt die Aussage, dass zu viele Menschen wegen Lapalien in die Notaufnahme gehen. Erwartungshaltung, All-You-Can-Eat-Mentalität, Obdachlosigkeit etc sind alles Gründe. Man könnte sich nun aber auch fragen welche Gründe es noch gibt: Häufig eben, weil Arzttermine von Kassenpatienten mehrere Wochen bis Monate dauern können. In der Notaufnahme herrscht Behandlungspflicht und man ist direkt angeschlossen an ein komplettes System von Untersuchungsmethoden, wofür man sonst viele seperate Termine ausmachen müsste, welche mit Wartezeiten verbunden sind. Natürlich können das die Kliniken aber nicht leisten, da es eben NOTaufnahmen sind und somit Kapazitäten gesprengt und Mehrkosten verursacht werden.

Mal ganz davon abgesehen, dass die ganze Diskussion altersdiskriminierend ist und basiert sie wissenschaftlich auf einem total überholten Konzept.

Dass die Kosten im Gesundheitssystem steigen, liegt nicht an der Überbehandlung der Alten sondern schlicht und einfach an unserer Bevölkerungspyramide und dem Großen Anteil an Menschen die jetzt ins gesundheitlich relevante und pflegebedürftige Alter kommen.

Auch wenn ich unser aktuelles System, wie bereits von @ra-hoch3 und @cooki , angesprochen für unsolidarisch und unfair halte (auch wenn ich Nutznießer bin), würden die Beiträge auch bei einer Vereinheitlichung ansteigen, wenn auch abgefedert. Das ganze ist auch kein Einnahmenproblem, sondern ein Verteilungsproblem. Um diesen Umstand kommen wir so oder so nicht rum. Zum einen wegen des demografischen Wandels, aber zum anderen auch weil Medizin zukünftig immer personalisierter stattfinden wird und wir auch an dem Punkt sind, an dem wir viele Krankheiten heilen können. Zudem nehmen chronische Erkrankungen immer weiter zu und 81% aller Menschen in Deutschland werden irgendwann in ihrem Leben mal einen Pflegegrad erhalten. DAS sind Kostentreiber.

Es ist auch ethisch irgendwo fragwürdig, Einsparungen bei alten Menschen zu diskutieren, während manche Akteure im System sehr hohe Renditen erzielen. Hohe Gewinne sind aber oft Anreiz für Innovation, denn ohne sie gäbe es viele Medikamente nicht. Kürzt man zu stark, bricht die Forschungsdynamik weg. Geschieht z.B. bei Antibiotika, weswegen MRSA und nosokomiale Infektionen ein immer größeres Problem werden. Auch das muss man berücksichtigen. Ist also ein super schwieriges Thema.

Um auf den Ausgangspost zurückzukommen: Alten die Leistungen zu kürzen eben weil sie alt und Medikamente zu teuer sind, kann nicht die Lösung sein. Besonders nicht in einem reichen Staat wie Deutschland.

TL;DR: Streeck labert Quark und sein Vorschlag ist weder verfassungskonform, noch sinnvoll.

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sollte man das tatsächlich tun, ohne irgendwelche anderen regelungen zu ändern, werden im ergebnis die medikamentenhersteller dieser teuren, neuen, therapien doch sowieso nur die preise entsprechend erhöhen, um auf die gleich rendite zu kommen.

und da sich eine merz regierung sicher nicht mit großen pharmakonzernen anlegt (lmao), würde es doch genau so kommen.

dann nimmt man den leuten die letzte behandlung und vielleicht doch noch ein paar gute tage/wochen/monate und hat nichts gespart.

Ich verstehe ihn da nicht falsch - allerdings mischt er die von dir beschriebene Abwägung eben mit der Diskussion um die nun geforderte finanzielle Betrachtung. Und das halte ich für falsch.

Dass Menschen keine Behandlung bekommen sollten, die nix bringt, nur weil die Angehörigen das beruhigt… da gehe ich ja mit.

Ja… und weil man von Streecks Parteikollegen- und Kolleginnen erzählt bekommt, dass krank sein Kacke ist und man eh generell mehr arbeiten sollte. Für mich eine schizophrene Debatte

Glaubst du nicht, dass es da entsprechend Druck von oben gibt?