Okay, ich hab es gelesen. Im Endeffekt war der einzige Grund, warum du das gepostet hast, dass Sanktionen „auch schlecht“ sind. Ansonsten trägt die Studie aber nichts zur Diskussion oder unserem Problem bei, außer: „Wir sind auch unmoralisch“. Darum geht es aber nicht.
Mir ist klar, wo das Problem liegt: Du erklärst Sanktionen für tödlich, Interventionen für illegitim und westliche Politik für heuchlerisch, aber du sagst weiterhin nicht, was stattdessen konkret passieren soll, wenn ein Regime auf die eigene Bevölkerung schießt?!
Sanktionen beenden ist also keine Lösung, sondern eine Hoffnung deinerseits. Es gibt schlicht keine belastbaren Beispiele dafür, dass autoritäre Regime aufhören, auf die eigene Bevölkerung zu schießen, weil wirtschaftlicher Druck nachlässt. Das Gegenteil ist sogar der Fall. IM Iran selbst, in Russland, Venezuela oder Syrien wurden zusätzliche Ressourcen regelmäßig zuerst in Sicherheitsapparate, Polizei und Militär gesteckt. Eben genau die Dinge, mit Hilfe derer Aufstände niedergeknüppelt/geschossen werden. Glaubst du ernsthaft, dass ein Staat der auf seine Bevölkerung schießt, freiwerdende Ressourcen für eben jene Bevölkerung und deren Wohlstand einsetzt?!
Die Lancet-Studie belegt lediglich, dass Sanktionen Leid verursachen können. Sie belegt aber nicht, dass ihre Aufhebung Repression beendet. Es trägt also nichts zur Diskussion bei, außer dass du sagst, dass Sanktionen ebenfalls schlecht sind. Das ist genau der Punkt meiner Kritik. Es geht hier nicht drum, dass der Westen ein Saubermann ist und die anderen die Badies.
Dein Israel-Vergleich macht es sogar noch widersprüchlicher. Sanktionen im Iran sind für dich moralisch unvertretbar, weil sie der Bevölkerung schaden (ich impliziere das, weil du willst sie ja aufheben). Andererseits hätten glaubwürdige Sanktionen das Töten in Gaza früher stoppen können? Du erklärst Sanktionen also auf der einen Seite pauschal für falsch, andererseits sagst du, sie hätten in Gaza Wirkung gezeigt. Dann wirkt Druck also doch, oder nicht? Du musst dich entscheiden, nicht beides gleichzeitig behaupten.
Ich weiß, dass du Chomsky magst. Der Rückzug auf Chomsky und den „Einflussbereich“ klingt auch erstmal gut, löst aber das Problem perspektivisch nicht. Nicht zu handeln, obwohl vorhersehbar ist, dass Gewalt weitergeht, ist ebenfalls eine Entscheidung. Verantwortung endet nicht dort, wo man sich moralisch unwohl fühlt.
Niemand hier fordert den nächsten großen Krieg a la Irak oder einen Regime-Change per Bombenteppich. Die Frage war relativ einfach: Was tun wir konkret, wenn Diplomatie nichts bringt, Sanktionen das Regime nicht stürtzen und ein Regime bereit ist, tausende Demonstranten niederzuschießen? Deine Antwort läuft am Ende darauf hinaus, dass man das hinnehmen muss, weil alles andere moralisch schlimmer wäre.
Das kannst du vertreten. Aber dann steh bitte dazu und hör auf, das als einzige humane Lösung zu verkaufen, solange du nicht erklärst, wie dadurch auch nur ein Mensch konkret geschützt wird.
wenn das jetzt hier das neue niveau ist, bin ich raus.
tut mir leid, wenn ich euch und euren bomben im weg bin.
Und du beschwerst dich ernsthaft über das Diskussionsniveau? Vielleicht mal an der eigenen Nase packen. Niemand hat hier Bock auf tote Menschen.