eigentlich ist das so eine kernfrage, die fast alle themen irgendwie tangiert. deswegen wird’s lang.
weil ich (und viele linke ökonomen) das mittlerweile sehr anders sehen, als z.B. der mainstream, der an den meisten universitäten gelehrt wird (so seit 40-50 jahren der standard), will ich bewusst nicht nur meine sichtweise dazu schreiben. viele rechte oder libertäre ökonomen sehen das in einigen punkten auch noch mal ganz anders.
ich trenne das mal in einen allgemeinen mmn neutralen teil und einen politischen meinungsteil, wo es mehrere sichtweisen gibt:
wenn du auf diese makroökonomische ebene gehst, musst du eigentlich ein bisschen von dem geldgedanken weg.
die wirtschaft besteht aus produktionsfaktoren, grob: arbeitskraft, rohstoffe, kapital (maschinen, land etc.) und daraus werden güter und dienstleistungen erzeugt.
geld repräsentiert diese realen kosten und werte. über preise (in geld) wird hauptsächlich gelenkt, wofür die produktionsfaktoren eingesetzt werden.
ziel ist immer, ob privat oder staat, mit möglichst wenig produktionsfaktoren möglichst viele güter und dienstleistungen herzustellen. die staatsbediensteten erbringen vor allem dienstleistungen mit ihrer arbeitskraft.
wenn du „geld sparen“ willst, willst du makroökonomisch also eigentlich:
entweder die arbeitskraft für andere güter oder dienstleistungen (wenn alle staatlichen aufgaben erfüllt sind meist in der privatwirtschaft) nutzen oder den menschen mehr freizeit geben. die wirtschaft ist ja am ende dann doch nur mittel zum zweck für das abstraktere ziel wohlstand.
jetzt wird’s umstritten und politisch.
ich versuche mal einigermaßen fair die sehr liberale (denk: fdp bis libertär), den mainstream (wohl nach wie vor irgendwas zwischen union und spd; ist an den meisten universitäten kern der lehre) und eine linke (u.a. meine) sichtweise zu geben.
liberale würden allgemein den staat sehr klein halten, sicher keine große staatsverschuldung wollen, eine konstante geldpolitik durch eine komplett unabhängige zentralbank (oder gar keine), praktisch ein autopilot.
manche wollen sogar zuück zu einem goldstandard, bei dem menge und wert des weltweiten geldes eins zu eins davon abhängt, wie viel von dem zeug wir irgendwo auf der erde ausbuddeln und dann unter banken in new york, london oder frankfurt wieder einbuddeln können. vielleicht scheint bei der formulierung meine persönliche meinung zur sinnhaftigkeit ein wenig durch.
in dieser sichweise würden die entlassenen staatsdiener, wenn sie denn ihre arbeitskraft nur preiswert genug anbieten, problemlos einen job in der privatwirtschaft finden, weil dort unternehmer mit schaffenskraft nur darauf warten, ihre unternehmerischen ideen umzusetzen.
an arbeitslosigkeit, krisen oder marktversagen ist in erster linie der viel zu große staat oder die zentralbank schuld, die ihre griffel nicht aus der wirtschaft raushalten können und den leuten ihr geld wegnimmt. die unternehmer wissen am besten, wie man die produktionsfaktoren nutzt. der staat kann das fast gar nicht.
der „neukeynesianische“ mainstream würde den staat nicht ganz so klein halten und ihm eine aktivere, antizyklische rolle geben, um in krisen einzugreifen. sei es durch eine aktive zinspolitik oder direkte eingriffe.
allgemein gibt es krisen und marktversagen auch unabhängig von staatseingriffen.
staatsverschuldung ist meist schlecht, weil wahlweise „die zinsen steigen“, „die inflation steigt“, „der staat pleite geht“. sowas in der art.
folglich sind die angesprochenen dinge auch ein echtes problem, weil der staat sich irgendwie finanzieren muss, menschen arbeitslos werden, steuereinnahmen verloren gehen. und weil unternehmer zumindest nicht ganz so selbstlos jobs erschaffen, wie bei den liberalen und dann doch ab und zu gucken, ob es eine nachfrage gibt.
in der realität und in krisen kann der staat dann doch irgendwie immer hunderte milliarden irgendwo her „leihen“, ohne große probleme. aber nur, weil man sonst so sparsam ist. und bitte nicht weiter nachfragen.
die unternehmer wissen immer noch am besten, wie man die produktionsfaktoren nutzt. manches muss aber der staat machen.
sollte einem alles ziemlich bekannt vorkommen.
in (zumindest meiner und) einer modernen, weit-verbreiteten linken sichtweise (vereinfacht mmt, das ist aber nur ein teil) finanziert sich ein staat mit eigener währung nicht über steuern sondern hat die komplette hoheit über sein geld. wenn er geld ausgibt, erschafft er es. wenn er steuern einsammelt, vernichtet er es.
begrenzt ist er dabei einzig und allein durch die inflationsauswirkung von dem, was er tut.
steuern und der verkauf von anleihen gegen geld (das was wir „schulden aufnehmen“ nennen*) entziehen den menschen kaufkraft und halten damit güter und geldmenge im gleichgewicht.
jetzt wird vielleicht klar, warum ich so weit ausholen wollte/musste: ein teil deiner fragen nach finanzierung, steuern etc., die einen großteil der öffentlichen debatte einnehmen, spielen meiner meinung nach keine wirkliche oder zumindest kaum ein rolle.
ungewollte arbeitslosigkeit ist eine komplette katastrophe, weil ungenutzer produktionsfaktor. eigentlich DIE katastrophe.
der staat sollte IMMER für vollbeschäftigung sorgen so lange die inflation niedrig ist. hauptsache der produktionsfaktor arbeit wird genutzt. im besten fall durch unternehmer, ansonsten selbst sinnvoll, sodass güter und dienstleistungen maximiert werden. im zweifel, in krisen, aber auch buchstäblich einfach so damit die (privat-)wirtschaft nachfrage hat. frei nach keynes:
lass die leute löcher buddeln und wieder zuschütten.
dementsprechend sollte die verwaltung trotzdem möglichst effektiv sein, aber die mitarbeiter DEFINITIV im anschluss arbeiten, logischerweise in der privatwirtschaft oder sinnvoll.
davon ab (oben genanntes ist ein ziemlich krasser, fundamentaler unterschied) ist das meiste wie beim mainstream. man sieht vielleicht ein bisschen mehr marktversagen als dieser und traut dem staat etwas mehr zu.
kann sein, dass ich hier noch viel nachbesser. aber erstmal reicht’s.
/edit:
hatte irgendwie beim schreiben gedacht, dass sich dein post vor allem auf staatsangestellte bezog. aber gilt in der privatwirtschaft äquivalent.
die KI-barone brauchen auch nachfrage nach ihrem zeugs, sonst gehen da auch die lichter aus. im besten fall gibt’s mehr zeugs und dienstleistungen und alle haben mehr freizeit.
ist natürlich nur meine sichtweise. sollte die „linke“ theorie falsch sein kann’s schon düster werden. oder falls sie richtig sein sollte aber (weiter) ignoriert wird.
*mag auf den ersten blick verwirren, da es verkehrt herum abläuft, da das entziehen der kaufkraft (die „schuldenaufnahme“/verkauf von anleihen) faktisch vor der gelderschaffung passiert, in der realität wird das aber z.B. durch die geschäftsbanken ermöglicht