Ich will gar nicht, dass wir uns hier jetzt gegenseitig Walls-Of-Text entgegen hauen, deswegen versuche ich mich kurzzufassen.
Du sprichst die Angst an, die mittlerweile einige fühlen. Du sagst die ist nicht nur auf objektiver Ebene, sondern auch auf einer subjektiven, glaubst aber nicht das es am rechten Framing liegt.
Woher kommt den dann die Angst? Während wir 2006 die „Die Welt zu Gast bei Freunden“ hatten wir 6,3 Mio. Fälle an polizeilich gemeldeten Straftaten, also ca 300k Fälle mehr als letztes Jahr, nicht zu vergessen das wir mittlerweile über 2 Mio Einwohner mehr haben. Ich kann mich nicht erinnern, dass damals Deutschland als unsicher galt.
Was hat sich gehändert?
Weil ich kann mich auch noch an 2015 und 2016 erinnern, als wir gefühlt in einem breiten Bündnis Facebook-Fake-News von angeblichen Vergewaltigungen und geschlachteten Streichelzoo-Ziegen aufgestanden sind. Dort sehe ich den Unterschied zu heute.
Die AfD wird mittlerweile häufiger in Talkshows eingeladen, aber auch die Sozis versuchen die CDU rechts zu überholen. Hier in Hessen ist Nancy Faeser als Law-n-Order-Abschiebekandidatin angetreten. Die Leute, für die das ein wichtiges Thema ist, konnte sie damit natürlich nicht gewinnen, weil die wählen AfD, aber sie hat damit das Thema Abschiebe weiter normalisiert. Jetzt wollen quasi alle Parteien „konsequenter abschieben“, was auch immer das meint.
Anders als 2015 ignorieren wir die Menschen die im Mittelmeer ertrinken. Wir reden nicht mehr darüber was Menschen erlebt haben, die hier her geflüchtet sind. Was sie hinter sich gelassen haben. Heute wird das Thema mit Abschieben und Kriminalität verquickt. Natürlich entsteht so Angst.
Wir wissen von der Tat in Solingen ja noch nicht genug um sie komplett einschätzen zu können. Ich habe meine Vermutung, aber darüber können wir dann ja sprechen wenn mehr Details bekannt sind.
Die Frage ist aber, was bringt uns Kriminalität nach Staatsbürgerschaft, Ethnie, Religion oder Aufenthaltsstatus zu beurteilen?
Ich bin mal total klischeehaft in meinem Beispiel: Sagen wir mal ein Geflüchteter aus Syrien vergewaltigt jemand und ein Geflüchteter Syrer begeht einen Terroranschlag. Was bringt es uns diese beiden völlig unterschiedlichen Taten durch den Aufenthaltsstatus oder die Staatsbürgerschaft zu verbinden? Wenn wir jetzt noch einen Diebstahl und eine Schwarzfahrt ergänzen lernen wir noch weniger.
Wenn wir jetzt nur über die Angst reden, dann bezieht die sich ja auf Menschen aus den Maghreb-Staaten. Die sind Überproportional in der PKS, aber dann müssten wir auch alle Angst vor zum Beispiel Georgiern haben.
Selbst vor 40 Jahren hatten Deutsche noch Angst vor Südländern, gemeint waren darunter auch Spanier, Italiener und Griechen. Heute sind sie Teil unserer Gesellschaft, trotz aller Schikanen die Gastarbeiter hier erleben mussten. Genau von diesem Prozess sollten wir lernen.