Danke für den Faktencheck. Ändert/entkräftet aber fairerweise meine Argumentation nicht. Ich bestreite ja nicht das Phänomen der „Dauer-Prophezeiung“, sondern, dass es diesmal wieder nur Panikmache sei. Wir schauen mal, was da genannt wird:
1932: Gustav Hartz warnte vor der „Vergreisung“ und dass nicht mehr genug junge Menschen da sein werden.
1966: Eine Kommission warnt vor dem Rentenberg (ist Quatsch, wir befinden uns hier seit 10 Jahren in extrem starken geburtenreichen Jahrgängen. Das ganze könnte ich mir eher als Folge der enorm großen Rentenreform der 60er erklären, die Rentner deutlich besser gestellt hat.)
1985: Der Spiegel prophezeit den Bankrott der Altensicherung (kenne den Artikel nicht, aber man weiß ca. seit ungefähr diesem Zeitpunkt, dass es sich um einen Strukturwandel handelt, nicht um einen kurzfristigen Knick. Also auch hier kann schon das heutige Problem gemeint sein.)
2004: Die Bundesregierung erklärt das System aufgrund der Alterung für künftig „unbezahlbar“ (das bezieht sich btw. schon auf heute)
Früher folgten auf Krisen (wie die Weltkriege) immer wieder geburtenstarke Jahrgänge. Der heutige Zustand ist jedoch kein temporärer Einbruch, sondern ein dauerhafter Strukturwandel, ausgelöst durch den Pillenknick und eine historisch einmalig hohe, kontinuierlich steigende Lebenserwartung bei gleichzeitig niedrigen Geburtenraten. Sowas gab es bisher noch nie.
Wo das Dokument mich aber „kriegt“, ist bei folgendem Punkt (Renten-Alten-Quotioent): Den erwarteten Anstieg des Altenquotienten von 2020 bis 2040 gab es bereits schon malk stärker, stimmt. Laut dem Dokument steigt er von 34,8 auf rund 43,4 Personen im Rentenalter je 100 Personen im Erwerbsalter, während der Anstieg zwischen 1990 und 2010 sogar stärker war, nämlich von 22,9 auf 33,8. Also ist meine Aussage, dass es „so“ eine Situation noch nie gab, nicht ganz richtig gewesen, korrekt. Für DE ist aber nicht nur dieser Quotient relevant, sondern auch die bereits genannten anderen Faktoren. Kombination aus höherem Altenanteil, Babyboomer-Renteneintritt, Pflegebedarf, Familienstruktur, geringerer häuslicher Pflegekapazität und Finanzierung über Arbeit usw. Im Prinzip all das, was ich weiter oben schon erwähnt hab. Das war bei den früheren Untergangsprognosen aber alles nicht so. Wenn man mal schaut stieg die Zahl der Menschen ab 67 von 10,4 Mio. im Jahr 1990 auf 16,7 Mio. im Jahr 2024. Und wächst bis Ende der 2030er auf mindestens 20,5 Mio. Gleichzeitig soll die Erwerbsbevölkerung von 20 bis 66 Jahren bis Mitte der 2030er selbst bei hoher Nettozuwanderung sinken. Hinzukommt, dass laut einer Studie (bitte frag mich nicht mehr welche) aus ~2013 Bis zum Jahr 2030 mit knapp 3,5 Millionen Pflegebedürftigen gerechnet wurde. Wir sind atm. btw. schon weit über dieser Zahl.
Sorry für den nerdigen Ausbruch, aber mich nervts, wenn selbst bei so einem Qualitätsformat einfach mittlerweile Fakten venrachlässigt werden :D
Und bevor jemand fragt: Die Zahlen sind alle Gedächtnisprotokoll, bis auf den Altersquotienten. Also nagelt mich bitte nicht auf wenige 100k fest in dem ihr den Krams jetzt durch eine KI jagt. Hab das jetzt mit Absicht nicht gegenchecken lassen.
um ihn so zu demaskieren.