spoiler
die afd bekommt scheinbar langsam angst, weil ihr das bsw und die (konservativere) cdu unter merz die themen und somit die wähler wegnehmen (könnten).
daher will die afd einige ihrer standpunkte abschaffen bzw. abschwächen. weniger bevormundung der frauen, vom leitbild der „normalo-familie“ abrücken, weiter auf junge wähler setzen (z.b. beim thema wohnungsnot), auch migranten ansprechen, eu kritik minimieren, mehr auf naturschutz setzen usw.
es gibt jetzt erstmals einen wahlkampfmanager bei der afd. zudem pitchen gerade mehrere marketingfirmen programme für den wahlkampf.
sagt eigentlich auch alles über die aktuelle lage in der deutschen politik.
ein paar auszüge:
„Ich will nicht die Welt ins Bürgergeld einladen“, sagte Wagenknecht, die Chefin der Neupartei BSW, und machte damit klar: Nach Deutschland geflohene Menschen sollten keine Grundsicherung bekommen. In ihrer Haltung zu Migranten und Bedürftigen unterscheidet sich Wagenknechts Partei damit kaum von der AfD, auch in der Frage von Krieg und Frieden. Und Zurückweisungen von Asylsuchenden an der Grenze fordert nun sogar CDU-Chef Friedrich Merz, und gegen Gendern, Diversität und Wokeness polemisiert jetzt auch Markus Söder.
Manche AfD-Anhänger dürften sich fragen: Warum noch AfD wählen, wenn die Wagenknecht-Partei demnächst mitregiert, die AfD jedoch mangels williger Koalitionspartner zur Daueropposition verdammt ist? Warum, wenn doch der Konservative Merz das umsetzen könnte, wofür die AfD zwar steht, was sie aber selbst nicht hinbekommt?
Die Partei will nun femininer werden, will weg von ihrem bisherigen Frauen-Leitbild der Hausfrau: „Wir sollten nicht die Partei sein, die die Frau hinter dem Herd haben will“, sagt eines der Vorstandsmitglieder. Auch der Glaubensgrundsatz der AfD, die Familie bestehe aus Vater, Mutter, Kindern, soll aufgegeben werden – womit man die Partei für gleichgeschlechtliche Partnerschaften oder Alleinerziehende attraktiv machen will. Schließlich habe man ja selbst in der eigenen Partei „andere Lebensmodelle“. Etwa die designierte Kanzlerkandidatin Weidel, die mit einer Frau mit sri-lankischen Wurzeln zusammenlebt und ihr jüngst auf einer Vortragsveranstaltung in Zürich vom Rednerpult aus ein „Sarah, ich liebe dich“ zurief. „Wir müssen da mit der Zeit gehen“, räumt man im Vorstand ein. „Deutschland, aber normal“ – der Slogan der Wahl von 2021 – das war einmal.
Als weitere neue Zielgruppe haben die Strategen integrierte Zugewanderte und ihre Nachfahren ausgemacht, vor allem türkischer Herkunft. Schnelle, hochmotorisierte Autos, Fahren ohne Tempolimit, Ordnung und Sicherheit, schreiben die Parteistrategen ihnen pauschal als Bedürfnisse zu – Dinge, die die AfD ohnehin schon stark propagiert. „Sie haben kein Problem mit Autoritäten und wollen auch weniger Regenbogenfamilien“, beschreibt ein Verantwortlicher dieses Milieu. „Das Programm der AfD ist in weiten Teilen schon stark auf sie ausgerichtet.“ Man müsse ihnen nur die Angst nehmen, dass sie trotz deutschem Pass ausgebürgert werden könnten – eine Angst, die AfD-Spitzenvertreter allerdings selbst schürten. „Wir müssen den Migranten stärker klarmachen, dass wir nicht sie angreifen, sondern die Politik, die den Rahmen für die ungeregelte Migration schafft.“
Der Hauptgegner der AfD bleibt deshalb die CDU, die migrationspolitisch bei der AfD wildert. Einerseits will man die Christdemokraten „als unglaubwürdig anprangern“, andererseits sie von der kommunalen Ebene an spätestens bis zur übernächsten Wahl so mürbe machen, dass die Brandmauer zur AfD vollends fällt, sich die CDU auf erste Koalitionen einlässt. Ein Begriff dafür ist bereits gefunden: Projekt 2029.