Das vertrauliche Dokument, das dem SPIEGEL vorliegt, wird noch für Diskussionen sorgen. In einer Tabelle listet es ganze 105 Vorgänge auf, die mit Abdulmohsen zusammenhängen.
Behörden in mindestens sechs Bundesländern waren mit ihm beschäftigt, in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hamburg und Bayern. Dazu kommen etliche Bundesbehörden, vom BKA über den Bundesnachrichtendienst (BND) und den Verfassungsschutz bis zum Kanzleramt in Berlin.
Hinweise auf mögliche Straftaten durch Abdulmohsen kamen aus Großbritannien, Kuwait und Saudi-Arabien.
14 Ermittlungsverfahren liefen in den Jahren vor dem Anschlag gegen ihn in Deutschland, die meisten wurden eingestellt. 18 Anzeigen hat er selbst gegen andere erstattet, vor allem einen Kölner Flüchtlingshilfeverein überzog er mit kruden Vorwürfen. Aber auch gegen Richter und Staatsanwälte richtete sich sein Furor. Selbst seinen eigenen Rechtsanwalt soll er bedroht haben.
Zweimal wurde Abdulmohsen verurteilt, zuletzt am Tag vor der Todesfahrt von Magdeburg. Ein Gericht in Berlin verdonnerte in Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 600 Euro, wegen Missbrauchs von Notrufen. Es ist Vorgang Nummer 105 in der Tabelle zum Fall Abdulmohsen.
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Elf Jahre lang hatten Behörden in mindestens sechs Bundesländern mit Abdulmohsen zu tun. Doch keiner fügte offenbar alle vorhandenen Informationen zusammen. Keiner verstand, wie weit er sich bereits radikalisiert hatte. Dabei verbarg er seine gefährlichen Gedanken nicht.
Ob es einen Weg zur Gerechtigkeit gebe, ohne »willkürlich Deutsche töten zu müssen«, fragte Abdulmohsen wenige Monate vor dem Anschlag im Netz. Er habe lange nach einem friedlichen Weg gesucht, »und ihn nicht gefunden«.
Auch dieser Eintrag war den Behörden bekannt.
Zusammenfassung
erinnert in trauriger weise an irgendwelche true crime Dokus zu amerikanischen serienmördern in den 80ern, wo die polizeibehörden auch nichts gebacken bekommen, weil jedes county seine eigene Polizei hat und niemand zusammenarbeitet.
Ist natürlich „schade“, dass solche wichtigen Artikel hinter einer paywall verschwinden.