Israel-Palästina ist kein religiöser Konflikt sondern ein Konflikt über Land und er ist auch nicht tausende von Jahre alt. Es ist komplett ahistorisch und ein Versuch den Konflikt komplexer aussehen zu lassen als er ist.
Nach dem ersten Weltkrieg brach das Osmanisches Reich zusammen. Frankreich und Großbritannien teilten die Region unter sich auf. Das was heute Israel, Palästina und Jordanien ist wurde zum Völkerbundmandat Palästina unter Britischer Kontrolle.
Davor gab es keine großen religiösmotiverten Konflikte in der Region. Unter den Osmanen lebten Muslime verschiedener Strömungen, Christen verschiedener Konfessionen und Juden halbwegs friedlich zusammen. Christen und Juden musste bestimmte formen von besonderen Steuern bezahlen und waren von bestimmten Funktionen ausgeschlossen, aber im Gegensatz zu dem was Juden in Europa erleiden mussten konnten Juden in der muslimischen Welt deutlich freier ihre Religion und Kultur ausleben.
Viele iberische Juden flohen vor der Reconquista und später der Inquisition nach Nordafrika, die Levante, die Türkei und Arabien.
In Zentraleuropa (Deutschland) und später in Osteuropa / dem Zarenreich kam es immer wieder zu schlimmen Pogromen. Hier kann man davon sprechen, dass für 1000 Jahre es immer wieder zu wilden Massenübergriffen gekommen ist. Auch angefeuert von dem Glauben, dass die Juden die angeblichen Mörder von Jesus Christus seien.
Erst relativ spät fingen jüdische Gemeinden in vor allem Osteuropa an sich zu bewaffnen und gegen Übergriffe zu verteidigen.
In den späten 1800ern entwickelte sich in Europa ein neues Verständnis für Nationalstaaten und Ethnizität als eine Volksgemeinschaft eines Staates. Vorher waren Staaten mehr oder weniger einfach die Untertanten und Gebiete die ein Adliger regierte und besaß. Auch Deutsche und Italiener entdeckten ihre Identität als „Volk“ mit einem Staat. Im Gegensatz zu Spanien, UK oder Frankreich gründeten sich erst spät Deutschland und Italien.
In dieser Zeit entdeckten einige Juden ihre religiöse, kulturelle und sprachliche Identität als eine eigene Identität. Sie begründeten die politische Bewegung des Zionismus. Es war die Idee das alle Juden ein gemeinsames Heimatland erschaffen sollten. Diese Idee traf bei nicht allen Juden auf gegen liebe. Viele Juden verstanden sich mittlerweile als Teil ihrer Heimatländer und wollten ihre Identität als Franzosen, Deutsche oder Österreicher nicht mehr aufgeben. Gleichzeitig lehnten viele streng gläubige Juden die Idee eines jüdischen Staates aus religiösen Gründen ab.
Die Zionisten planten den Ankauf von Land in verschiedenen Ländern. Den konkretesten Plan den sie hatten war nach Argentinien auszuwandern. Dort hatten sie glaube ich sogar schon Land gekauft.
Auch europäische Antisemiten waren von der Idee eines jüdischen Heimatlandes angetan, weil dahin könne man ja die ungeliebten Juden los werden.
Noch während des ersten Weltkrieges erklärte die Britische Regierung ihre Unterstützung für eine neue Heimat der Juden in Palästina. Damit war nicht zwangsläufig ein rein jüdischer Staat gemeint, aber es half den Zionisten die nach Palästina (Israel) auswandern wollte.
In das britische Mandat Palästina wanderten viele Juden aus. Dort waren sie zu Anfang von den Briten sehr gerne gesehen. Sie waren zwar in den Augen der rassistischen Kolonialmacht „nur Juden“, aber sie waren „zivilisierter“ als die „Araber“. Sie sprachen französisch, deutsch, jddisch, polnisch, russisch oder englisch. Sie waren gebildet, konnten nicht nur lesen und schreiben sondern waren Ärzte, Anwälte und Kaufleute.
Die jüdischen Siedler brachten aus Europa auch Geld mit. Sie konnten Orte quasi „gentrifizieren“.
Im Gegensatz zu schon dort lebenden jüdischen Bevölkerung sprachen sie aber kein palästinensisches Arabisch. Sie wollten auch kein Teil der schon existierenden Gesellschaft werden. Ihr Plan war es ihren eigenen Nationalstaat zu gründen. Einen Staat für Juden. Einen Staat der die muslimische und christliche Bevölkerung von Palästinas aus schloss. Deswegen lebten die zionistischen Siedler mehr oder weniger in ihr eigenen Parallelgesellschaft.
Dadurch kam es immer mehr zu gewalttätigen Konflikten zwischen Siedlern und Palästinensern. Auch das Verhältnis zwischen Britischen Besatzern und zionistischen Juden in Palästina bröckelte. Es gründeten sich zionistische Terrororganisationen die auch Anschläge auf Briten begangen.
Waren die Zionisten und das Projekt jüdischer Staat vor dem zweiten Weltkrieg noch mehr eine Randerscheinung wurde sie nach dem tiefen Trauma der Shoa mehr und mehr eine gefühlte Notwendigkeit unter vielen Juden, auch unter Juden die vorher die Idee abgelehnt hatten.
Viele Juden hätten gerettet werden können hätten Länder wie Großbritannien, die USA, Kanada und Australien jüdische Flüchtlinge aufgenommen.
Viele der Alliierten haben die Aufnahme von größere Mengen an jüdischer Geflüchteter abgelehnt, weil sie ironischerweise die Loyalität der deutschen Juden infrage gestellt haben. Diese Angst vor einer fünften Kolonne deutscher Invasoren kombiniert mit dem weit verbreitetem Antisemitismus haben viele überlebenden Juden davon überzeugt, dass sie nur in einem jüdischen Staat wirklich sicher seien.
Nach dem zweiten Weltkrieg wollte sich Großbritannien der Verantwortung für Palästina und dem dort brodelnden Konflikt entledigen. Die neu gegründeten Vereinten Nationen sollten entscheiden. Die UN entschied sich dafür das Gebiet in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu trennen.
Die Palästinenser lehnten den vorgeschlagenen Plan ab. Sie wollten nicht einen großen Teil ihres Landes an ziontische Siedler verlieren die nicht mal 30 Jahre in Palästina waren. Die Siedler machten gewaltsam Nägel mit Köpfen besetzten die Gebiete, vertrieben Tausende und riefen ihren Staat Israel aus.
Darauf hin wurde der frisch gegründete Staat Israel von Ägypten, Saudi Arabien, Libanon, Irak, Syrien und Jordanien angegriffen. Israel gewann diesen „Unabhängigkeitskrieg“.
Danach ist natürlich noch vieles passiert, aber seit dem haben wir den Status Quo mit einem Staat Israel.
Bei dem Konflikt geht es im Kern um Land und nicht um Religion. Der Konflikt ist auch kein tausende Jahre alte sondern hat 1920 angefangen.
Eine wirklich positive Seite hat diese Erkenntnis. Dieser Konflikt ist nicht unlösbar! Es ist nicht die Religion, es ist nicht die Kultur, es geht um Land und Ressourcen.