Nahostkonflikt - Krieg in Israel und Palästina

Ich lege nebenbei hier jedem diesem wahnsinnig wertvollen Beitrag von Nadia Zaboura zur deutschen Berichterstattung nahe.

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top vortrag und sehr viel prägnanter als die stunden an videos, die ich empfohlen hatte. :sweat_smile:

kann ich nur jedem empfehlen, hier nur ein beispiel aus dem vortrag.

deutsche headlines…

und internationale headlines…

zur gleichen angelegenheit!

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Beim Tagesschau Artikel wird, anders als bei den englischen Artikeln, die unter-Überschrift weggelassen - wo auch etwas von Völkermord steht. Und der FAZ Artikel hatte durchaus eine andere Überschrift (muss man leider anklicken, nicht in der Vorschau):

Und schau dir halt die ersten Minuten der Tagesschau oder den Tagesthemen von dem Tag an. Da geht es auch um den Begriff Völkermord

Edit: will aber auch nicht bezweifeln, dass deutsche Medien tendenziell pro israelisch sind. Aber ganz so schlimm wie angedeutet ist es auch nicht

ich sehe da genau eine sub-headline bei den englischen artikeln, keine davon ist hervorgehoben.

die zentrale aufforderung des gerichtes an israel, einen genozid zu verhindern, taucht in jeder englischen überschrift auf. wenn man gewillt ist zur seite der faz durchzuklicken, dann scheinbar in einer der deutschen.

das ist doch rosinenpicken was du da gerade betreibst.

schau dir gerne den ganzen vortrag an. das zieht sich durch dutzende beispiele in den 30 minuten. und aus eigener erfahrung und anderen gegenüberstellungen, die ich gesehen habe, durch fast die komplette deutsche berichterstattung der letzten 1,5 jahre.

an einer stelle im vortrag ist ein artikel des zdf der buchstäblich nur aus den aussagen des israelischen militärs besteht. ohne jede einordnung. das hat mit journalismus gar nichts mehr zu tun.

aber wenn wir schon damit anfangen:
warum finde ich „im wortlaut“ die rechtfertigungen der israelischen armee für irgendeinen militärschlag aber nicht zum beispiel ein paar übersetzte reden „im wortlaut“ von israelischen politikern wie smotrich oder ben-gvir?


ich finde bis heute noch keine übersetzung oder zitate aus dem meinungsbeitrag von ehud olmert bei ard oder zdf.

das ist ein ehemaliger regierungsschef - direkter vorgänger von benjamin netanjahu - der seinem eigenen land „kriegsverbrechen“ vorwirft und je nach wahl der übersetzung von etwas wie „zerstörungs-“ oder „vernichtungskrieg“ spricht.

und weil hier die letzten tage immer mal wieder über kai ambos gesprochen wurde, hier mal ein paar neuere einschätzungen von ihm:

„Die uns täglich erreichenden Bilder sprechen für sich. Kein unbefangener Beobachter kann die Augen davor verschließen, dass die israelische Kriegsführung leider schon lange jegliche Verhältnismäßigkeitsgrenze überschritten hat. Das Gebot des humanitären Völkerrechts, zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden, wird massiv missachtet. Hinzu kommen die Ankündigungen, den Gazastreifen erneut zu besetzen und zu annektieren sowie die palästinensische Bevölkerung zu vertreiben. Wie können wir einer Regierung beistehen, die vor unseren Augen eine Kollektivbestrafung einer Zivilbevölkerung wegen der Verbrechen der Hamas exekutiert? Die auch von ihrer eigenen Bevölkerung massiv wegen dieser Kriegsführung kritisiert wird? Nichts kann diese Inhumanität rechtfertigen, schon gar nicht die leere Floskel der Staatsräson, von der meines Wissens kein deutscher Politiker behauptet, dass sie das Grundgesetz und das Völkerrecht verdrängt. Und vergessen wir nicht, dass einige Kilometer östlich von Gaza, im Westjordanland, die Idee eines palästinensischen Staates durch weitere Siedlungen gerade endgültig beerdigt wird.“

„Ich habe noch im Januar 2024 den Genozid-Vorwurf abgelehnt. Seitdem halten den Vorwurf mehr und mehr Wissenschaftler, auch Völkerrechtler, für berechtigt. Wie gerade mit Stefanie Bock dargelegt, bin ich wegen der schwer nachweisbaren Zerstörungsabsicht zwar nach wie vor skeptisch. Doch die Indizien, die einen solchen Vorwurf nahelegen, verdichten sich mit jedem Tag, den dieser brutale Krieg weitergeht.“

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hier zeigt sich, dass die gute dame nicht wirklich versteht, wovon sie redet.
der igh hat nie gesagt, dass ein genozid „plausibel“ wäre. das wurde von vielen medien falsch aufgegriffen. auch von den deutschen. die damalige präsidentin des igh hat es dann bei bbc noch einmal detailliert erklärt. das video kann man sich auch ansehen (siehe bbc link):

The words of the International Court of Justice (ICJ) have been subject to intense scrutiny since South Africa brought its case and it’s centred around the use of the word “plausible” in the ruling.

In January, the ICJ delivered an interim judgement - and one key paragraph from the ruling drew the most attention: “In the Court’s view, the facts and circumstances… are sufficient to conclude that at least some of the rights claimed by South Africa and for which it is seeking protection are plausible.”

This was interpreted by many, including some legal commentators, to mean that the court had concluded that the claim that Israel was committing genocide in Gaza was “plausible”.

This interpretation spread quickly, appearing in UN press releases, statements from campaign groups and many media outlets, including the BBC.

In April, however, Joan Donoghue, the president of the ICJ at the time of that ruling, said in a BBC interview that this was not what the court had ruled.

Rather, she said, the purpose of the ruling was to declare that South Africa had a right to bring its case against Israel and that Palestinians had “plausible rights to protection from genocide” - rights which were at a real risk of irreparable damage.

Israel-Gaza: What did the ICJ ruling really say?

ist dann auch immer amüsant, wenn personen der verfasserin der anordnung erzählen wollen, was sie damals eigentlich meinte…

und da hier einige auch immer wieder gerne aljazeera posten, die ja aus katar stammen und der hamas nahestehen.

al-jazeera hatte ein video gepostet, das angeblich eine schiesserei auf palästinenser bei einer hilfsausgabestation zeigt. bbc hat das video nun untersucht und welch wunder, es stimmt natürlich nicht:

> Claim graphic video is linked to aid distribution site in Gaza is incorrect

As part of our investigation into the reported shootings yesterday morning near an aid distribution site in Rafah, southern Gaza, we’ve reviewed a graphic video - which has been seen 134,000 times in one X post alone - which some claim shows the incident.

In the footage, showing the apparent immediate aftermath of a strike, dust clouds are visible as well as bodies lying on the ground - some motionless and bloodied.

It was posted with a caption by an Al Jazeera journalist stating: „New footage reveals the horrific massacre committed by Israeli forces near a US aid distribution site in southern Gaza.“

We have geolocated the clip to a spot in Khan Younis about 4.5km (2.8 miles) from the nearest aid distribution point. The direction of shadows suggests it was filmed in the evening, not the morning, which doesn’t match accounts of the Rafah shootings.

While verifying the clip, a local journalist who filmed another video of the same scene confirmed to us that the events pictured are unrelated to any aid distribution site, and occurred yesterday evening after 19:00 local time (16:00 GMT).

BBC Verify Live: Using forensic techniques to investigate Gaza aid incident - BBC News

Ich glaube, Du hast den Punkt von Nadia nicht verstanden.

  1. Pickst Du dir die eine Headline raus, die später nochmal aufgegriffen wurde, die anderen ignorierst Du.
  2. Es geht hier nicht darum, dass Nadia beurteilt am Ende, was Recht und Unrecht ist, es geht um die Berichterstattung an sich und wie Medien diese aufarbeiten.

Du weißt sicherlich, dass in den deutschen Medien zunächst widerspruchslos die Darstellung Israels zu den getöteten Sanitätern übernommen wurde und erst als das Bildmaterial eine andere Wahrheit ans Licht kommen lassen, wurde darauf (immer noch viel unkritisch) reagiert

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die medien haben die berichte israels nicht unkritisch übernommen. unter jedem artikel, den ich lese, steht , dass man die angaben nicht unabhängig verifizieren kann. und das dies die aussagen von partei x/y waren.

die medien veröffentlichen übrigens jeden tag zahlen vom „zivilschutz“ aus gaza. der der hamas untersteht. das wird dann oftmals nicht einmal erwähnt. habe ich heute erst wieder auf zeit-online gelesen.

oder vom „gesundheitsministerium“. das auch der hamas untersteht. kein hinweis darauf, dass das ministerium der hamas untersteht.

kannst ja mal bei zeit oder beim spiegel schauen. da regt ihr euch aber nicht auf, dass dort ja ungefiltert meldungen von einer terrorgruppe verbreitet werden. es wird auch nur selten erwähnt, dass die behörden in gaza (also die hamas) bei toten nicht zwischen zivilisten und kämpfern trennt. da wird dann eine meldung über 30 tote gebracht, die laut hamas alle „märtyrer“ sind. diese einseitige kritik ist einfach lächerlich, da ihr dann kein problem damit habt, wenn (deutsche) medien „widerspruchslos“ meldungen der islamisten verbreiten.

ein gutes beispiel für die unkritische übernahme von hamas-meldungen war doch die vermeintlich israelische rakete, die laut hamasangaben hunderte zivilisten in einem krankenhaus getötet hatte. das ging dermaßen schnell ungeprüft durch die medien. die hamas hatte die opfer innerhalb weniger minuten gezählt. als dann rauskam, dass es eine rakete der palästinenser war, konnte man diese fakenews nicht einfangen.

gleiches gilt für die angeblichen videos, die ich oben zitiert habe. da hat aljazeera etwas verbreitet und sogar renommierte medien wie bbc übernehmen es direkt und merken erst später, dass dies fakenews waren.

bei minute 12:26 wird dann ein lancet-artikel gezeigt. den sie als wissenschaftliche einordnung verpackt. dabei steht dick über dem artikel „correspondence“. es handelt sich hier nämlich nicht um eine studie mit peerreview, sondern um einen leserbrief. das könnte man auch daran merken, dass der artikel sehr kurz ist.

hier wurde dieser leserbrief auch noch einmal behandelt:

Paul Spiegel ist Direktor des Johns Hopkins Center for Humanitarian Health in Baltimore und hat zu möglichen Auswirkungen des Kriegs auf das Gesundheitssystem in Gaza geforscht. Er weist darauf hin, dass der Brief an die Herausgeber – im Gegensatz zu einem Artikel in »Lancet« – vor der Veröffentlichung kein Peer-Review-Verfahren, also keinen Überprüfungsprozess durch Experten, durchlaufen habe. Man könne nicht einfach die Zahl der direkten Opfer mit vier multiplizieren, um den wahren Opferzahlen nahezukommen: »So funktioniert das nicht.«

Israel: Wie viele Tote gibt es wirklich im Gaza-Krieg? - DER SPIEGEL

leider merkt man in diesem video mit frau zaboura sehr schnell, dass die frau wenig ahnung von der materie hat, über die sie hier redet:

sie kritisiert einseitig. spricht nirgends an, dass deutsche medien täglich hamaszahlen nennen.

sie bringt hier einen leserbrief ohne peerreview als vermeintlich wissenschaftliche evidenz in die diskussion. siehe lancet-artikel selbst oder spiegel-artikel

sie nimmt ein bild mit der headline „genocide is plausible“, obwohl die medien hier die meldung des igh falsch verbreitet haben. siehe bbc-link oben.

defacto verbreitet sie in ihrem eigenen vortrag damit fakenews.

bei minute 12:26 wird ein ganz anderer lancet artikel gezeigt, als der, über den du dann anfängst zu reden und im spiegel artikel zitiert wird.

spieglein, spieglein an der wand…

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Finde die Diskussion sehr schwierig. Wir kommen da halt sehr schnell von dem Nachrichtenjournalismus zum Meinungsjournalismus, der dann schnell Berichterstattung und Einordnungen kombiniert. Aber weder FAZ noch Tagesschau haben mit dem Format das Ziel einer Einordnung. Dafür gibt es dann die Magazine oder Kommentare in den Sendungen.

Die internationalen Medien arbeiten halt direkt auch mit Einordnungen in ihren Nachrichten und bilden dadurch wie die TAZ in ihren Nachrichten direkt auch eine Meinung bzw. Einordnung mit rein. Das kann man meiner Meinung nach, doch aber für grundsätzliche Nachrichten erstmal gar nicht haben wollen. Diese sollten halt erstmal möglichst neutral dargestellt werden und dann kann man diese mit zusätzlichen Artikeln einordnen.

Deswegen halte ich diesen Vortrag von Nadia Zaboura doch für schwierig. Man müsste den Nachrichtenjournalismus dann grundsätzlich ändern und potentiell dann in die Richtung von SZ oder TAZ gehen, wenn man sowas möchte.

man muss es buchstäblich nur so machen wie die englischen kollegen in den dutzenden beispielen.

es ist keine meinung, wenn man erwähnt, dass man für die aussagen der israelischen armee, die man zitiert, keine beweise gesehen hat. wenn das so ist, dann ist das das absolute minimum.

journalismus halt.

Ich verstehe nicht mal was du sagen willst? Du kannst mir nicht erzählen, dass du glaubst es sei keine Aufgabe von Nachrichtenjournalismus Quellen und Aussagen von Konfliktparteien kritisch einzuordnen.

Dann breche ich es so herunter. Bei der generellen Nachricht, will ich nur die Nachricht lesen und nicht gleich eine Einordnung zu der Nachricht. Also z. B. schon, dass in der Meldung steht, dass der Rechtspopulist Wilders die Regierung auflöst oder der rechtsextreme Koalitionspartner mehr Siedlungen im Westjordanland will.

Allerdings dann in der Nachricht keine Einordnung mit Einschätzungen, dass man keine Beweise durch die israelische Regierung oder die dauerhafte Einordnung, dass das Gesundheitsministerium von der Hamas geführt wird.

Dafür gibt es dann die Kommentare oder Interviews nach dem eigentlichen Nachrichtenbeitrag.

die nachricht besteht in vielen fällen aus der wiedergabe der israelischen militärberichte. da ist ein hinweis auf die beweislage das absolute minimum.

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Genau das sind journalistische Einordnungen und wenn du bei der einen Seite immer stehen hast „radikalislamistische Terrororganisation Hamas“ und auf der anderen Seite „ein Sprecher der Israelischen Regierung“, dann verzerrt das schon unser Bild.

Nicht weil Hamas keine Terrororganisation oder nicht islamistisch ist, sondern weil vor z. B. Benjamin Netanjahus Name nie „wegen Kriegsverbrechen gesuchte“ steht.


Was bolo hier sagt ist so wichtig. Jede Aussage die aus Palästina kommt wird zumindest als grob unzuverlässig dargestellt. Dabei geht es nicht mal nur um Aussagen von Hamas sondern auch von Hilfsorganisationen, Journalisten vor Ort oder sogar der fucking UN.

Aussagen von Israel werden häufig einfach für sich stehend verbreitet. Hin und wieder wird dann mal ein Kritiker gegen die Aussage gestellt, aber da steht dann im besten Falle Aussage gegen Aussage, selbst bei Sachen die belegbar falsch sind.

Siehe zb News über Looting der Hilfsgüter.

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Sehe das halt noch nicht als Einordnung an und würde selber auch nicht von mir sagen, dass dadurch mein Bild verzehrt wird. Es sind halt Fakten, dass die Einen zu einer Regierung gehören und die Anderen eine Widerstandsgruppe/Terrororganisation sind.

Eine Einordnung wird es dann aber für mich mit diesem Zusatz von dir.

Das erwarte ich schon, aber dann wie gesagt, wenn z. B. nach dem Bericht in der Tagesschau der Reporter vor die Kamera tritt und das Geschehen nochmal einordnet. Bei so klassischen Nachrichtenmeldungen gehört dies aber nicht rein, man soll da nur über das geschehene Berichten und was die Parteien dazu sagen. Was ihr erwartet gehört halt dann in die entsprechenden Reportagen, Magazine und Co. Auch wenn ich dann im Nachhinein eventuell verwundert bin, wenn man z. B. die News zum Looting oder falschen Aussagen des Militärs verwundert ist.

in den meisten fällen weiß der journalist doch gar nicht, was geschehen ist. sondern es wird wiedergegeben, was das israelische militär gesagt hat. dann muss es einen hinweis für den leser geben, ob das irgendwie belegt ist.


dein post da hat mich richtig verwirrt, weil:

sind viel mehr meinungsbeitrag und einordnung der redaktion, als der hinweis, ob die aussagen einer partei belegt waren oder nicht.

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Hier hast du einige Auswertungen zu Berichten und auch, wer wie wann wo zu Wort kommt

dazu gibt es Beiträge, in denen klar markiert wurde, aus welcher Quelle welche Information stimmt und dass die Tageeschau z.B. sehr stark mit israelischen Angaben arbeitet. Das ist für mich keine neutrale Berichterstattung.

Glaube dem Ganzen ja und haben dem auch nicht Widersprochen. Halte nur die Kritik an der Art des deutschen Journalismus für falsch. Kenne auch die Darstellungen und halte sie für wichtig.

Würde aber nicht auf den Link klicken, weil Fabian Goldmann ein Aktivist ist und kein kritischer Journalist.

Gibt man wirklich noch was darauf was die UN sagt nachdem sie ca. 40 Jahre lange einfach weggeschaut haben bei dem ganzen Mist den das UNRWA mit den Hilfsgeldern/-Gütern für Gaza getrieben hat?